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… es ist mir, als wäre ich die letzte Deutsche ~ obwohl ich doch Österreicherin bin

Ja! Ich weiß, woher ich stamme!_Ecce homo_F. Nietzsche

… es ist mir, als wäre ich die letzte Deutsche ~ obwohl ich doch Österreicherin bin

umgetitelt aus „Manchmal habe ich das Gefühl, nur bei den Ahnen noch unter Deutschen zu sein. Ja, es ist mir, als wäre ich der letzte Deutsche. …” ~ Botho Strauß

Diese Original-Sätze liefert Botho Strauß in seiner Glosse „Der letzte Deutsche” in unserem SPIEGEL 41/2015, S. 122-124 vom 2.10.2015

Von mir Markiertes, hier aneinandergereiht:

„… „Die Unbeholfenen” … dass sich der Autor als dieser Letzte sah. Man soll’s darin nicht übertreiben, immer von irgendwas ein Letzter sein zu wollen. …

… Was ist mir nicht alles zum Roman geworden! … Oft aus Stimmen von Autoren … Franz Blei, Hugo Ball, Leopold Ziegler, Rudolf Kassner, Konrad Weiss …

… Ich möchte lieber in einem aussterbenden Volk leben als in einem, das aus vorwiegend ökonomisch-demografischen Spekulationen mit fremden Völkern aufgemischt, verjüngt wird, einem vitalen. …

… Der letzte Deutsche, dessen Empfinden und Gedenken verwurzelt ist in der geistigen Heroengeschichte von Hamann bis Jünger, von Jakob Böhme bis Nietzsche, von Klopstock bis Celan. …

… was kultureller Schmerz sein kann. Ich bin ein Subjekt der Überlieferung und außerhalb ihrer kann ich nicht existieren. …

… Der letzte Deutsche … ist süchtig nach deutscher Dichtersprache. …

… Uns wird geraubt die Souveränität, dagegen zu sein. Gegen die immer herrschsüchtiger werdenden politisch-moralischen Konformitäten. …

… Es ist, als gäbe man mit jeder libertären Bekundung, jeder Weisung politischer Korrektheit Verhaltensbefehle aus, denen die meisten Einwanderer nur nachkommen können, wenn sie sich von ihrem Glauben und Sittengesetz verabschieden und also eine weitere Entwurzelung hinnehmen müssen. …

… Das Gutheißen und Willkommen geschieht derart forciert, dass selbst dem Einfältigsten darin eine Umbenennung, Euphemisierung von Furcht, etwas magisch Unheilabwendendes auffallen muss.

Nun, was kann den Deutschen Besseres passieren, als in ihrem Land eine kräftige Minderheit zu werden?

Oft bringt erst eine intolerante Fremdherrschaft ein Volk zur Selbstbesinnung. …

… Man wird verdrängt nicht mehr von avantgardistischen Nachfolgern, sondern von grundsätzlich amusischen Andersgearteten, Islamisten, Mediasten, Netzwerkern, Begeisterten des Selbst. …

… So bleibt dem deutschen Schriftsteller, … sich neu zu beheimaten: Zuflucht … Das Unvereinbare auszuhalten, bis es der Vernunft wehtut. …

… Das Kopftuch sei Zeichen von religiöser Selbstverwirklichung einer Frau, so eine gütige Angehörige der Grünen. Trefflicher kann man sein verständnisvolles Unverständnis nicht in Worte fassen. Man muss eben auch den rituellen Gehorsam in die Sprache der Emanzipation übersetzen.

In islamisch theokratischen Ländern … sind es wenige (Gelehrte), die … Weisung geben. Bei uns bestimmen Massen und Medien das Niveau der politischen Repräsentanten …

… Was in der Zeitung steht, … Ich lese vom Lynchmord an einer tief religiösen afghanischen Frau. … Wie soll ich das verkraften? … Verfolgung einer Bande Rechtsradikaler geschildert … Dies alles lesen, dem nackten Entsetzen ausgeliefert, …

… Die Mörderkommandos … Man muss untersuchen, was macht der Druck der Gefahr aus uns – wie verändert er langsam aber unaufhaltsam unsere Prägungen, Vorlieben und Gewohnheiten. …

… dass die Flutung des Landes mit Fremden eine Mehrzahl solcher bringt, die ihr Fremdsein auf Dauer bewahren und beschützen. …

… Aber wie will man dem Krieg, falls er uns angetragen wird, ausweichen? Schließlich gehört nicht nur Freiheit, sondern auch Freiheitskampf zu unseren viel beschworenen Werten. Doch … Pazifisten … erklären: „Deutschland wird jeden Tag weniger. Das finde ich großartig.” Das Niedrigste an diesem Schurken-Wort ist die politisierte Schmerzlosigkeit, mit der man die Selbstaufgabe befürwortet, … Dank der Einwanderung der Entwurzelten wird endlich Schluss sein mit der Nation und einschließlich einer Nationalliteratur. Der sie liebt und ohne sie nicht leben kann, wird folglich seine Hoffnung allein auf ein wiedererstarktes, neu entstehendes „Geheimes Deutschland” richten.

Komplett: Debatte Uns wird die Souveränität geraubt, dagegen zu sein. Eine Glosse von Botho Strauß ~ SPIEGEL 41/2015, S.122-124, 2.10.2015

Der letzte Deutsche - Botho Strauß_SPIEGEL 41-2.10.2015 S.122

Der letzte Deutsche - Botho Strauß_SPIEGEL 41-2.10.2015 S.123

Der letzte Deutsche - Botho Strauß_SPIEGEL 41-2.10.2015 S.124

die Antwort auf Botho Strauß ließ nicht und schon gar nicht lange auf sich warten: Deutsche Zuversicht Debatte „Nie war dieses Land besser als heute” Von Nils Minkmar im SPIEGEL 42, 10.10.2015 S. 132-133

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Theaterstück von Botho Strauß: Schlusschor ~ Drei Akte

Theater Hof

Deutschland ~ Freude ~ Siehst Du, ~ Deutschland ~ die Grenzen sind geöffnet, herein, herzlich willkommen, Freundschaft, wir betreten freudentrunken ~ ist das nicht wunderbar

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Mein Fotocomposing Beitragsbild:

FRIEDRICH NIETZSCHE Sämtliche Gedichte Herausgegeben von Ralph-Rainer Wuthenow MANESSE BIBLIOTHEK DER WELTLITERATUR ISBN 3-7175-8256-9, Gedicht S. 95

Ecce homo

Ja! Ich weiß, woher ich stamme! …

Botho Strauß fühlt sich als (Zitat aus der obigen Glosse): Der letzte Deutsche, dessen Empfinden und Gedenken verwurzelt ist in der geistigen Heroengeschichte von Hamann bis Jünger, von Jakob Böhme bis Nietzsche, von Klopstock bis Celan.

Hintergrund: Das Siebengebirge, dazwischen der Rhein, im Vordergrund Bad Godesberg (Aussicht von der Godesburg)

Ja! Ich weiß, woher ich stamme!_Ecce homo_F. Nietzsche

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