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SALOME ~ wer war sie

der stein des anstoßes

ein Halsband mit vier Reihen Perlen
Topase, gelb wie die Augen der Tiger
Topase, hellrot wie die Augen der Waldtaube
grüne Topase, wie Katzenaugen
Opale, die immer funkeln, mit einem Feuer, kalt wie Eis
Chrysolithe
Berylle
Chrysoprase
Rubine
Sardonyx
Hyazinthsteine
Steine von Chalcedon
Kristall
wunderbare Türkise: wer sie an seiner Stirne trägt, kann Dinge seh’n, die nicht wirklich sind

das liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines über alle Maßen wertvollen Edelstein-Almanachs,

ist jedoch der verzweifelte Versuch von Herodes (des Tetrarchen von Judäa), seine Stieftochter SALOME davon abzubringen, darauf zu bestehen, als Geschenk für ihren Tanz (Tanz der sieben Schleier) den Kopf des Jochanaan zu bekommen.

In der Bonner Inszenierung durchleidet SALOME, abgespalten vom Tanz der sieben Schleier (an ihrer Stelle schlüpft ihr „Alter Ego“ in Gestalt einer zwillingshaften Tänzerin in ihre Rolle), den Missbrauch, der ihr angetan wurde.

Diese „legendenhafte Geschichte um SALOME“ ~ von Oscar Wilde (Libretto in dt. Übersetzung von Hedwig Lachmann) zu einem Theaterstück (Uraufführung 11.2.1896 in Paris) und von Richard Strauss in eine Oper (Uraufführung 1905 in Dresden) verwandelt ~ ist moralisch und gefühlsmäßig kaum auszuhalten, erzählt sie in ihrem Kern doch den Leidensweg eines missbrauchten jungen Mädchens.

SALOMEs Schicksal ist gesprochen, als ihre „nach mehr strebende“ Mutter

~ ihr Ehemann Herodes Boethos (SALOMEs Vater) wurde im Testament des Königs Herodes († 4 v. Chr.) nicht bedacht und lebte deshalb nach dem Tode seines Vaters als „Herodes ohne Land“ … Quelle: Wikipedia ~

eine Beziehung mit dem Halbbruder ihres Mannes, dem Tetrarchen Herodes Antipas beginnt. Dieser ist einer der Haupterben Herodes des Großen. Herodes Antipas verstößt daraufhin seine Frau, die Tochter des Nabatäerkönigs Aretas und heiratet Herodias, die Mutter SALOMEs. Sie „bilden“ daraufhin eine Familie.

Dieser „doppelte Ehebruch“ erregte bei den jüdischen Untertanen von Herodes Antipas starken Anstoß. Jochanaan (Johannes der Täufer) verurteilt das Verhalten des sündigen Paares in öffentlichen Predigten auf scharfe Weise. Er wird daraufhin von Herodes Antipas gefangengenommen und eingekerkert.

Prinzessin SALOME, die Jochanaans aus der Zisterne emporsteigende Stimme hört, gibt keine Ruhe, ehe ihr Wunsch, ihn sehen und sprechen zu können, erfüllt wird.

Was sich in SALOME, die zu dieser Zeit 16 Jahre alt ist, in ihrem Innersten abspielt, ist vielleicht mit der Zerrissenheit eines jungen Mädchens in der Pubertät zu erklären. Sie fühlt sich hingezogen zu diesem jungen Mann, der so anders ist als all‘ die Menschen, die sie bis jetzt kennen ~ und zum Teil verachten ~ gelernt hat. Sie fühlt sich körperlich und geistig angezogen von Jochanaan und ist so freizügig, ihm das eindringlich in Worten und Umschmeichelungen mitzuteilen. Im Grunde schreit sie nach Liebe, “Und das Geheimnis der Liebe ist grösser
als das Geheimnis des Todes.” Zu ihrem Entsetzen lehnt Jochanaan sie voll und ganz ab, er weiß sich als „Erwählter des Herrn“, der nach ihm kommen wird, der stärker ist als er, denn er selbst ist nicht wert, ihm zu lösen den Riemen an seinen Schuh’n.

Er verflucht sie: „Sei verflucht, Tochter der blutschänderischen Mutter, sei verflucht!“ Damit hat er sie zutiefst verletzt und sein Todesurteil gesprochen: der beiden Schicksale nehmen ihren Lauf …

Libretto auf opera-guide

~

SALOME, die Oper am 1. Februar 2015 im Bonner Opernhaus, ist aus der Zeit um/nach Christi Geburt in die Zeit nach 1900 inszeniert. Fin de siècle, femmes fatales, Sünden und Laster, Freizügigkeit und ausschweifiges Leben (die „Caféhausbesucher” der Aufführung lesen eine Berliner Zeitung von damals) ~ wir sehen ein Sittengemälde im Stil des Art Deco.

Uns begegnet an diesem Abend nicht viel Unbekanntes. Das Stück könnte ebenso heutzutage spielen: Die Realität unserer Zeit ist „beizeiten“ moralisch und gefühlsmäßig kaum auszuhalten. HABEN WIR IMMER NOCH NICHT GENUG GELERNT?

Auch Kunst und Kultur, aktuell die OPER SALOME von Richard Strauss, kann Musiktheater des Anstoßes sein, Anstoß dazu, für die Werte in unserem Kulturkreis einzutreten und sie an die nächste Generation, die nicht weniger als damals zu schützen ist, weiter zu geben.

„… für Schönberg und seinen Kreis wird Strauss‘ Oper zu einem Erweckungserlebnis. „Salome“ ist der Prototyp der modernen Oper, das Tor zur Neuen Musik …” mehr auf capriccio

„Ich will nicht bleiben” Salome (Astrid Varnay)

Herodes (Julius Patzak), Herodias (Margarete Klose), Jochanaan (Hans Braun), Narraboth (Hans Hopf), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Dir. Hermann Weigert

Tanz der sieben Schleier ~ Wiener Philharmoniker, Herbert von Karajan, 1977 (ohne Film)

getanzte Version: “Salome” opera by Richard Strauss, libretto by H.Lachmann, translation from “Salome” by O.Wilde
Actors: Catherine Malfitano, Bryn Terfel
The Royal Opera House Orchest, Christoph Von Dohnanyi
Theatre: The Royal Opera Covent Garden, London, Year: 1997

Besprechung der Bonner Opern-Premiere SALOME vom 1. Februar 2015 durch Ralf Siepmann:

Eine schrecklich verkommene Familie

Unter allen Werken des Komponisten, schreibt der englische Musikschriftsteller William Mann in seinem Buch über das Opernwerk von Richard Strauss, sei die Salome „in Anbetracht der kompositionellen Vollendung das brillanteste und weitestausgreifende“. Doch selbst unter Berücksichtigung ihrer außerordentlichen musikalischen Vollendung „neigen wir, im kalten Tageslicht, dazu, Salome als die unflätigste aller existierenden Opern anzusehen, weit unflätiger als Wildes Drama, da durch die Musik alles viel deutlicher wird“. Nimmt die Salome als Zäsur gegenüber der Hochromantik des 19. Jahrhunderts und Schlüsselwerk der Moderne eh eine Sonderstellung ein, so hält sie auch eine Sicht auf die Verhältnisse dieser biblischen Familie aus, die nicht minder modern ist. Die das Monströse, Exzessive, Bizarre des Stoffes von Wilde und Strauss mit der Perversion und Zerstörung der menschlichen Existenz in ihrer fragilsten Form verbindet, der Schändung von Kinderseelen durch sexuellen Missbrauch. Eine solche Deutung ist jetzt im Opernhaus Bonn zu sehen, … weiter auf opernnetz.de, jetzt: o-ton (Link nicht mehr gültig)

Schlusssatz der Kritik: Bonns Oper hat jetzt ein Stück im Repertoire, das es in sich hat. Opernkultur gekoppelt mit Relevanz und etlichen Steilvorlagen für den Diskurs. Ein forderndes, ein ganz starkes Stück in der zweiten Spielzeit des Intendanten Bernhard Helmich. 

SALOME, die Oper am 1. Februar 2015 – Premiere – im Bonner Opernhaus,

weitere Vorstellungen: 05 Feb, 08 Feb, 21 Feb, 08 Mrz, 20 Mrz, 11 Apr, 02 Mai, 06 Mai, 15 Mai, 24 Mai, 14 Jun 2015

Salzburger Festspiele: Trailer es geht tatsächlich mit Grillen-Zirpen los
Ausstrahlung auf 3sat am 11.8.2018

grandiose Aufführung, die an die Grenze des Erträglichen geht, mit einer überragenden Salome: Asmik Grigorian
Hintergrundinformationen zur Aufführung

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